01 —Zwölf Monate im Überblick
Vier Kriterien pro Monat: Andrang an bekannten Zielen, Betriebszeiten von Bahnen und Hütten, Preisniveau und die Reserve, die der Tag für Fehler lässt. Alle Angaben beziehen sich auf Werktage außerhalb der Ferien; Wochenenden liegen in jeder Zeile eine Stufe höher.
| Monat | Andrang | Betrieb | Preise | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Januar | mittel | Winterbetrieb | hoch in Skiorten | Stadt, Tallagen, Thermen |
| Februar | hoch | Winterbetrieb | Spitze | Semesterferien meiden |
| März | gering | auslaufend | sinkend | Stadt, erste Uferwege |
| April | gering, punktuell hoch | Übergang, vieles zu | niedrig | Donau ja, Berg nur tief |
| Mai | gering | anlaufend | niedrig | bester Monat für die Donau |
| Juni | mittel | vollständig | mittel | längstes Licht, Berg ab 1.700 m |
| Juli | hoch | vollständig | hoch | früh starten, Gewitter beachten |
| August | sehr hoch | vollständig | Spitze | nur mit Morgenfenster sinnvoll |
| September | mittel | vollständig | mittel | insgesamt bester Monat |
| Oktober | Wochenenden hoch | bis Monatsmitte | sinkend | Werktage ausgezeichnet |
| November | sehr gering | weitgehend zu | niedrig | Stadt, Museen, Kaffeehaus |
| Dezember | punktuell hoch | Winterbetrieb | steigend | Märkte meiden, Tallagen nutzen |
02 —Die beiden Übergangszeiten
Zweimal im Jahr befindet sich Österreich in einem Zustand, den kaum ein Reiseführer beschreibt, weil es darüber nichts Schönes zu sagen gibt: Die Sommerinfrastruktur ist zu, die Winterinfrastruktur noch nicht auf — oder umgekehrt.
Zweite Aprilhälfte
Bergbahnen stehen zwischen Ski- und Sommersaison still, Hütten sind geschlossen, Wanderbusse fahren noch nicht, Fähren beginnen gerade erst. In den Höhenlagen liegt Altschnee, in den Tälern führen die Bäche Schmelzwasser. Sinnvoll sind flache Ziele, Städte und Uferwege.
Erste Novemberhälfte
Sommerbetrieb beendet, Winterbetrieb noch nicht begonnen, dazu Betriebsurlaub in vielen Gasthäusern und die kürzesten nutzbaren Tage vor der Wintersonnenwende. Für Wien und Museen ist es einer der besten Monate, für alles andere der schwierigste.
In beiden Zeiträumen gilt: Öffnungszeiten einzeln prüfen, nicht auf Saisonangaben verlassen. Ein Gasthaus, das „von Mai bis Oktober“ geöffnet hat, kann Ende Oktober bereits geschlossen sein, wenn die Wetterlage kippt.
03 —Ferien wirken stärker als Wetter
Wer den Andrang in Österreich verstehen will, sieht nicht auf die Wetterkarte, sondern in den Ferienkalender — und zwar nicht nur in den österreichischen. Die bayerischen Sommerferien, die tschechischen und ungarischen Schulferien und die deutschen Herbstferien verändern die Auslastung an bekannten Zielen stärker als jeder Sonnentag.
- Semesterferien im Februar — in Österreich nach Bundesländern gestaffelt, in Summe vier Wochen mit Spitzenauslastung in den Skiregionen.
- Osterwoche — kurze, aber sehr hohe Spitze an Seen, in Städten und in der Wachau.
- Fenstertage im Mai — Christi Himmelfahrt und Fronleichnam erzeugen jeweils vier zusammenhängende Tage mit Wochenendcharakter.
- Mitte Juli bis Ende August — Hauptreisezeit; Werktage entsprechen dann etwa dem Niveau eines Wochenendes im Juni.
- 15. August — Feiertag mit Ausflugsverkehr auf Wochenendniveau, häufig unterschätzt.
- Erste Novembertage — Allerheiligen und Allerseelen; Friedhöfe und Wallfahrtsorte sind dann keine ruhigen Ziele.
Ein Werktag außerhalb der Ferien ist ruhiger als jeder Nebensaison-Sonntag.
04 —Licht als Planungsgröße
Zwischen Juni und Dezember verliert ein österreichischer Tag rund sieben Stunden nutzbares Licht. Für Stadttage ist das eine Nebensache, für alles im Gelände die wichtigste Größe überhaupt — sie bestimmt Umkehrzeit, Tourlänge und Startzeitpunkt gleichermaßen.
Nutzbares Tageslicht, Ostösterreich, gerundet — im Wald jeweils etwa 45 Minuten weniger
Die Konsequenz für den Herbst ist unbequem, aber eindeutig: Dieselbe Tour, die im Juli entspannt war, braucht im Oktober einen um zwei Stunden früheren Start. Wie man daraus eine Umkehrzeit ableitet, steht unter Umkehren.
05 —Kurzfassung nach Reisewunsch
Sie wollen Ruhe
Zweite Maihälfte oder zweite Septemberhälfte, Werktag, früher Start. In beiden Zeiträumen ist alles geöffnet und trotzdem wenig los.
Sie wollen hohe Berge
Juli bis Mitte Oktober. Davor liegt Altschnee in den Nordhängen, danach schließen Bahnen und Hütten.
Sie reisen mit Kindern
Juni und September, außerhalb der Ferien. Warm genug, Betriebe geöffnet, kurze Wege verfügbar, moderate Preise.
Sie haben nur den Winter
Stadt, Thermenorte und Tallagen. Nicht die Höhe suchen, sondern die Innenräume — und mit 16:00 Uhr als Ende des Tageslichts rechnen.